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Claudia Brefeld artgerecht & ungebunden
Haiku Glossar
Japanische Fachbegriffe rund
um das
Haiku (romaji)
俳句 (kanji) はいく (hiragana)
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ageku –
letzte Strophe eines Renga/Renku chôku – Langvers (5-7-5-moren-Vers) in einem Renga/Renku daisan – dritte Strophe eines Renga/Renku dentô haiku – traditionelles Haiku dokugin – ein Solo-Renga/Renku - nur von einer Person geschrieben fueki – Idee der immer währenden Wahrheiten, die Dichter mit ihren Idealen anstreben fueki ryûkô – "unwandelbar und zeitgemäß" - laut Bashô muss ein Renga literarischen Wert und ein Gefühl für Eleganz haben fuga – "wahre, echte Kunst" - die Renga-Dichtung wurde erst durch Bashô in diesen Status erhoben fuga no makoto – "poetische Wahrheit" ga – "Eleganz" - die höchste Form von Kunst im Gegensatz von zoku - so wurde im Renga durch das Suffix ga dieser Status gekennzeichnet, der von Bashô durch die Verwendung des Begriffes fuga erreicht wurde gendai haiku – modernes, zeitgenössisches Haiku - es begann sich in Japan nach dem zweiten Weltkrieg zu etablieren, löste sich von den Vorgaben Jahreszeitenbezug und 5-7-5-moren-Zählung gojuin – Renku-Dichtung mit 50 Strophen gûi – "versteckter Sinn" haibun – zusammengesetzt aus haikai no bunsho und bedeutet in etwa „Prosa im haikai-Stil“: Prosatext (unterschiedliche Prosa-Stile sind durchaus möglich) in der Regel mit einem oder auch mehreren Haiku haiga – die Kombination von visuellen (Foto, Sumi-e usw.) und textlichen (Haiku) Elementen auf einer gemeinsamen Unterlage: einer Leinwand, einer Schriftrolle, einem Blatt Papier, einem Fächer usw., dabei soll der Text nicht das Visuelle erklären und umgekehrt, sondern beide Teile sollen sich ergänzen und zu einem Gesamtwerk zusammen fügen haigon – Bezeichnung für neue Ausdrücke in der haikai-Dichtung (wegweisend für dieses Genre), die es in der klassischen waka-Poesie noch nicht gegeben hat: umgangssprachliche Wörter mit poetischer Resonanz haijin – ein vollkommender Haiku-Poet in Japan - nicht zu verwechseln mit jemanden, der allgemein Haiku schreibt haikai – "Humor, Witz" - Bezeichnung für humoristische Gedichte - dieser Begriff wurde später als Ersatz für haikai no renga genutzt und allgemein für jede Dichtung in diesem Sinne verwendet haiku – zusammengesetzt aus haikai no hokku - ein Vers aus einem haikai entnommen - der Startvers (hokku) eines Renga wurde von Bashô (Matsuo Bashô, 1644-1694) aus der Kettendichtung hervorgehoben und fungierte ab dem Zeitpunkt bereits als Werk mit besonderer Qualität - jedoch erst Shiki (Masaoka Shiki, 1867-1902) löste das hokku aus dem haikai, machte es zu einer eigenständigen Gedichtform und führte dafür den Begriff Haiku ein - anfänglich beinhaltete es ein Jahreszeitenwort und wurde im Rhythmus von 5-7-5 moren geschrieben, später löste man sich von diesen Vorgaben (modernes Haiku) hana – "Blüte" - Kirschblüten (sakura) werden oftmals ebenfalls so bezeichnet hana no ku – Blütenvers in einem Renga/Renku hanami – Kirschblütenfest "Blüten beschauen gehen" in Japan hankasen – Renku-Dichtung mit 18 Strophen (halbe kasen-Länge) hiraku – in einem Renga/Renku die Bezeichnung für eine Strophe, die keinen besonderen Namen (wie z.B. hokku etc.) hat hokku – Startvers (eines Renga/ Renku), der früher in der Regel vom Hauptgast der Dichterrunde gestellt wurde - hatte und hat eine herausragende Qualität und Stellung in den Kettendichtungen - bekam eine gewisse Eigenständigkeit schon zu Bashôs Zeiten, so wurden damals bereits hokku-Wettbewerbe veranstaltet honka – Vorlagegedicht honkadori – Haiku schreiben nach einem Vorlagegedicht, aus dem oftmals Phrasen entnommen und im Haiku eingebaut werden honzetsu – Anspielungen auf z.B. allgemein bekannte Prosawerke (wie das genji monogatari) hyakuin – Renku-Dichtung mit 100 Strophen jikken – wirkliche Gefühle jisei no ku – Sterbevers - durchaus von vielen Dichtern nicht erst kurz vor ihrem Tode geschrieben jo - ha - kyû – Strophenaufteilung in einem Renga/Renku jo – Vorderseite (Einleitung) ha – Hauptteil (Entwicklung) kyû – Rückseite (Abschluss) jûnicho – Renku-Dichtung mit 12 Strophen (auch zwölf-Ton-Renku genannt) - hat im Gegensatz zu anderen Renku-Dichtungen keine jo - ha - kyû -Strophenaufteilung jûsanbutsu – Renku-Dichtung mit 13 Strophen kakekotoba – Scharnierwort oder -wortteil: bezieht sich auf zwei Versteile (als letztes Wort des ersten Teiles und erstes Wort des zweiten Teiles) und erhält so durch den unterschiedlichen Sinnzusammenhang eine Doppelbedeutung kami no ku – im tanka die ersten drei Segmente bzw. die obere Strophe (5-7-5) kannenteki – ein „ideengezeugter Vers“: basiert nicht auf einer real beobachteten Szenerie kannonbiraki – bestimmte Art der Wiederholung: wenn uchikoshi und tsukeku (siehe uchikoshi-maeku-tsukeku) in einem Renku ein identisches Bild oder Thema haben - dies soll vermieden werden karumi – Schlichtheit (wörtlich: "Leichtigkeit") - die Schönheit der einfachen Dinge mit schlichten Worten wiederzugeben: ein Stil, den Bashô eingesetzt hat kasen – Renku-Dichtung mit 36 Strophen jo - ha - kyû /Strophenaufteilung: 6 – 24 (2 x 12) – 6, daraus ergeben sich vier Seiten kidai – Jahreszeitenthema - Schlüsselthema, durch dem ein Haiku einer Jahreszeit zugeordnet werden kann kigasanari – zwei Jahreszeitenwörter (kigo) gleicher Jahreszeit in einem Haiku kigo – Jahreszeitenwort - Schlüsselwort für eine Jahreszeit in einem Haiku kire – Schnitt innerhalb eines Haiku (oder einer Renku-Strophe) - eine Pause die trennt kireji – Schneidewort - eine Art verbales Satzzeichen im Japanischen, das je nach Inhalt durch unterschiedliche Wörter dargestellt werden kann Häufige kireji sind: ka, kana, -keri, -ramu/-ran, -shi, -tsu, ya kizure – zwei Jahreszeitenwörter (kigo) verschiedener Jahreszeiten in einem Haiku, um Jahreszeiten ineinander übergreifen zu lassen kokoro – "Herz, Seele" - dichterische Subjektivität (beim shasei) kocho – Renku-Dichtung mit 24 Strophen ku – kurzer, knapper Vers kusô – "Phantasie" kyaku – der Ehrengast einer Renku-Sitzung, der das hokku dichtet maeku – die zweite Strophe (preceding verse) in einer Reihenfolge bestehend aus drei Strophen innerhalb eines Renku (siehe uchikoshi-maeku-tsukeku) makoto – "Aufrichtigkeit, Wahrhaftigkeit" meigen – wichtige Lehrsätze, „goldene Worte“ meigetsu – klar leuchtender Herbstvollmond (achter Vollmond im Lunarkalender) mitsumono – Renku-Dichtung mit 3 Strophen mora – japanische Lauteinheit, Mehrzahl: moren mu – die erfüllte Leere nijûin – Renku-Dichtung mit 20 Strophen nushi aru kotoba – „Ausdrücke, die ein Herrn haben“ - Ausdrücke, die aufgrund ihrer besonderen Schönheit oder Originalität als Eigentum ihrer Verfasser betrachtet und deshalb in Japan in der Dichtung fortan nicht von anderen verwendet werden durften Oi no Kokumi – Bashôs Tagebuch „Die kleine Schrift aus meinem Reisekorb“ Oku no Hosomichi – Bashôs Reisetagebuch „Auf schmalen Pfaden durchs Hinterland“ bzw. „Enge Straße nach Oku“ onchô – "Harmonie" renga – Sammelbegriff für Kettendichtungen „verbundene Eleganz“ mit unterschiedlichen Strophenanzahlen, von mehreren Dichtern geschrieben – später unterschied man Renga und Renku Renga: Bezeichnung für japanische Kettendichtungen im Zeitraum "13. Jahrhundert bis zu Bashôs Zeit" renku - Sammelbegriff für Kettendichtungen "verbundene Verse" mit unterschiedlichen Strophenanzahlen, von mehreren Dichtern geschrieben - zeichnen sich gegenüber den Renga durch höhere Qualität aus, nachdem Bashô konkrete und stringentere Regeln einführte Renku: Bezeichnung für japanische Kettendichtungen im Zeitraum " Bashôs Zeit bis Gegenwart" renshi – Kettendichtung von mehreren Autoren geschrieben - im modern, formal ungebundenen Stil - mehrsprachig möglich, Richtung Gedankenlyrik, freie Gestaltung rinne – Name für die Wiederholung eines gleichen Themas, eines Bildes oder eines Wortes in einem Renku ryogin – ein von zwei Autoren geschriebenes Renga/Renku sabaki – Leiter einer Renga/Renku-Sitzung, auch sôshô genannt sabi – Patina zeigen, über Reife verfügen - alt und verwittert mit einem Hauch Traurigkeit auf Grund von Verlassenheit saijiki – Verzeichnis, Wörterbuch, Nachschlagewerk der kigo einer Region sangin – ein von drei Autoren geschriebenes Renga/Renku sarikirai – Regel, um die Wiederholung eines Bildes oder eines ähnlichen Verses in einem Renku zu verhindern senku – Renku-Dichtung mit 1000 Strophen sensei – anerkannter, ausgebildeter Haikumeister shasei – Stil des objektiven Skizzierens der Natur in einem Haiku shimo no ku – im tanka die letzen zwei Segmente bzw. die untere Strophe (7-7) shisan – Renku-Dichtung mit 12 Strophen shishi – Renku-Dichtung mit 16 Strophen sôshô – Leiter einer Renga/Renku-Sitzung, auch sabaki genannt senryû – ähnlich dem Haiku, aber inhaltlich steht das seelische Erleben, das Emotionale im Vordergrund takedakeshi – großartiges, erhabenes Bild - sollte von einem hokku in einem Renku entworfen werden tan-renga – älteste Form der Kettendichtung - entstand aus dem tanka - ein von zwei Autoren geschriebenes zweistrophiges Kettengedicht - erst später entwickelten sich längere Kettendichtungen tanka – kurzes Lied, kurzes Gedicht - über 1.300 Jahre alt - Stilrichtung der jap. Gedichtform waka - bestehend (traditionell) aus 31 moren nach dem Schema 5-7-5-7-7 angeordnet tanku – Kurzvers (7-7-moren-Vers) in einem Renga/Renku tenji – der Begriff Verschiedenartigkeit innerhalb der Renku-Regel 'Anschluss und Verschiedenartigkeit' (link and shift) triparshva – Renku-Dichtung mit 22 Strophen tsuizenshû – Gedenksammlung tsukeai – der Begriff Anschluss innerhalb der Renku-Regel 'Anschluss und Verschiedenartigkeit' (link and shift) tsukeku – die dritte Strophe (linking verse) in einer Reihenfolge bestehend aus drei Strophen innerhalb eines Renku (siehe uchikoshi-maeku-tsukeku) tsuki no ku – Mondvers in einem Renga/Renku tsukimi – Herbstmondschau "Mond schauen gehen", Fest in Japan uchikoshi – die erste Strophe (leap-over-verse) in einer Reihenfolge bestehend aus drei Strophen innerhalb eines Renku (siehe uchikoshi-maeku-tsukeku) uchikoshi - maeku - tsukeku – eine Reihenfolge bestehend aus drei Strophen innerhalb eines Renku - in einem solchen Dreiergefüge ist zu beachten, dass im tsukeku (dritte Strophe) nicht wieder inhaltliche oder stimmungsmäßige Themen vom uchikoshi (erste Strophe) aufgenommen werden - es gilt also, das Prinzip des Voranschreitens und der Verschiedenheit in einem Renku umzusetzen wabi – Herbheit des Einsam-Stillen wabi-sabi – Konzept der Wahrnehmung von Schönheit - nicht die offenkundige Schönheit, sondern die verhüllte herbe Schlichtheit, verborgen in der Hülle des Unscheinbaren waka – alte klassische japanische Gedichtform - ein Genre der jap. Dichtkunst, das sich vom kanshi (Gedichte, die in chinesischer Sprache und in chinesischen Gedichtformen verfasst wurden) unterschied - entstand etwa im 8. Jahrhundert - gilt als Sammelbegriff für mehrere Stilrichtungen, die bekannteste ist das tanka wakiku – zweite Strophe (nach dem hokku) eines Renga/Renku, meistens vom Gastgeber gedichtet yoin – Nachhall yongin – ein von vier Autoren geschriebenes Renga/Renku yoyoshi – Renku-Dichtung mit 44 Strophen yugen – Geheimnis, das Unausgesprochene, die unergründliche Tiefe eines Haiku - etwas, das auch über den Haiku-Moment hinaus, unergründlich bleibt, sozusagen im Bereich jenseits der Worte liegt zoku – gewöhnlicher Vers, entspricht nicht der wahren Kunst des Haiku |
letzte Änderung: 12-2-2011