.jpg) |
Wilder Garten
Das Auto quält sich die letzte
Anhöhe hinauf – vollbepackt, stotternd. Mein Mann ist genervt, wir sind
genervt. Wo ist das verflixte Haus? Schauen, anhalten, fragen – und
weiter. Endlich, am Ende einer verschlungenen Bergstraße, unser Ziel.
Steif vom langen Sitzen, steige
ich aus. Schwüle liegt am Berghang, in den Büschen, in den Tannen. Die
Erde dampft. Abgespannt wuchten wir die Koffer aus dem Auto. T-Shirt und
Hose kleben, alles klebt – wir stöhnen und schwitzen und sind müde und
sind hungrig. Ziemlich wild sieht es in der Hütte aus. Irgendwie
ungemütlich.
Das Abendessen verlagern wir
nach draußen - dort lassen die Insekten nicht lange auf sich warten. Das
kleine Tischchen an der Haustür wackelt, dann kippt eine Tasse – landet
in der
Brotschale. Frustriert, enttäuscht - das Essen ist bald beendet –
verstauen wir die Sachen, um endlich schwer ins Bett zu fallen.
Mondlose Nacht –
durch die Schwüle
dringt kein Laut
Am Morgen packen die Kinder den
Tisch, stellen ihn mitten auf die kleine Wildwiese. Zwei flache Steine
sorgen für stabilen Halt. Schnell eine Tischdecke und die Stühle säubern.
Wie der Kaffee duftet. Die Sonne
lugt durch den Ahorn, wirft Lichtkringel auf Honig und ofenwarmes
Baguette. Zu Fünft ist es eng, aber gemütlich. Alles schmeckt herrlich.
Ich lehne mich nach hinten, blinzele der Sonne genüsslich zu. Von überall
her strömt wohltuende Ruhe. Zwei Katzen streifen durch die Büsche,
gesellen sich zu einem Teller Milch – für eine Weile ist nur ihr leises
Schlabbern zu hören.
Gesättigt entstehen erste Pläne
und wir beschließen, den Garten in Angriff zu nehmen.
Mein Mann verschwindet hinter
dem Haus, holt einen Eimer und nach kurzer Zeit ist ein kleiner Weg
freigelegt. Laub, abgemähtes Gras wird aufgeschichtet, ein Strauch
hochgebunden. Sogar eine Grillstelle kommt zum Vorschein. Langsam klettert
die Sonne höher. Es wird heiß. In kleinen Rinnsalen bahnt sich der Schweiß
seinen Weg bis zum Bauchnabel. Die lange Hose klebt – ich tausche sie
gegen eine kurze.
Mein Mann lächelt – die Kinder grinsen. Immer wieder streift der
Handrücken die Feuchte aus dem Gesicht. Die Erde dampft – ich dampfe. Lila
und gelb blüht es um uns herum. Eine Blindschleiche gleitet über den
Zufahrtsweg, jeder Schritt scheucht ein paar Grillen auf. Während ich
durch den Garten streife, kommt leichter Wind auf. Der Sommerflieder lockt
betörend und im Auf und Ab der Schmetterlingsflügel tanzt mein Blick
staunend mit.
Ich hole die Kamera, verliere
mich zwischen Zweigen und Gesumme in der Wildnis des Gartens, nehme die
erdige Würze in tiefen Zügen auf…
Am Abend
satt vom Schauen -
lese Goldmund
(24-12-2007)
|